IPMI/BMC-Sicherheitslücke in älteren Implementierungen
Einleitung
Im Juli 2025 wurde erneut auf eine seit vielen Jahren bekannte Schwachstelle in verschiedenen Implementierungen des Intelligent Platform Management Interface (IPMI) beziehungsweise der zugrunde liegenden Baseboard Management Controller (BMC) aufmerksam gemacht. Sicherheitsforscher identifizierten zahlreiche über das Internet erreichbare Managementschnittstellen, die weiterhin anfällig für einen Angriff auf den Authentifizierungsmechanismus sind.
Die Schwachstelle ermöglicht es unter bestimmten Voraussetzungen, Passwort-Hashes von Benutzerkonten auszulesen. Anschließend können diese offline analysiert oder mittels Brute-Force- bzw. Wörterbuchangriffen angegriffen werden. Da IPMI unabhängig vom installierten Betriebssystem arbeitet und weitreichende Verwaltungsfunktionen bereitstellt, stellt eine erfolgreiche Kompromittierung ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar.
Hintergrund
IPMI ist ein standardisiertes Management-Interface zur Administration von Servern. Die Implementierung erfolgt über einen Baseboard Management Controller (BMC), der unabhängig vom eigentlichen Betriebssystem arbeitet. Administratoren können darüber unter anderem
- Server ein- und ausschalten,
- den Systemzustand überwachen,
- Firmware aktualisieren,
- Konsolenzugriffe durchführen sowie
- Installationen aus der Ferne durchführen.
Da diese Funktionen auch bei ausgeschaltetem oder nicht funktionsfähigem Betriebssystem verfügbar sind, besitzt der BMC umfangreiche Berechtigungen und sollte besonders geschützt werden.
Beschreibung der Schwachstelle
Die betroffene Schwachstelle betrifft den Authentifizierungsmechanismus älterer IPMI-2.0-Implementierungen. Ein Angreifer kann speziell präparierte Authentifizierungsanfragen senden und dadurch Hashwerte von Benutzerkennwörtern erhalten, ohne sich erfolgreich authentifizieren zu müssen.
Die Hashwerte können anschließend offline analysiert werden. Je nach Passwortqualität kann ein Angreifer daraus die eigentlichen Zugangsdaten ermitteln. Nach erfolgreicher Anmeldung erhält dieser Zugriff auf sämtliche Managementfunktionen des BMC.
Die Schwachstelle selbst erlaubt keinen unmittelbaren Zugriff auf das Betriebssystem, kann jedoch den vollständigen Fernzugriff auf den Server ermöglichen.
Betroffene Systeme
Grundsätzlich können Server betroffen sein, deren BMC-Firmware den verwundbaren Authentifizierungsmechanismus implementiert und deren IPMI-Schnittstelle aus nicht vertrauenswürdigen Netzwerken erreichbar ist.
Besonders relevant sind:
- ältere Serverplattformen,
- nicht aktualisierte BMC-Firmware,
- öffentlich erreichbare IPMI-Schnittstellen,
- Systeme mit schwachen oder wiederverwendeten Passwörtern.
Ob ein konkretes System betroffen ist, hängt von Hersteller, Firmware-Version und Konfiguration ab.
Mögliche Auswirkungen
Eine erfolgreiche Ausnutzung kann unter anderem folgende Folgen haben:
- Offenlegung von Passwort-Hashes
- Offline-Angriffe auf Benutzerkennwörter
- Vollständiger Zugriff auf den BMC
- Remote-Konsolenzugriff
- Ein- und Ausschalten von Systemen
- Einbinden virtueller Installationsmedien
- Änderung der Firmware-Konfiguration
- Umgehung von Sicherheitsmechanismen des Betriebssystems
Da der BMC unabhängig vom Host-System arbeitet, bleiben viele dieser Möglichkeiten auch dann bestehen, wenn das eigentliche Betriebssystem ausgeschaltet ist.
Überprüfung der eigenen Infrastruktur
Administratoren sollten prüfen,
- ob IPMI-Schnittstellen öffentlich erreichbar sind,
- welche Firmware-Version eingesetzt wird,
- ob Sicherheitsupdates verfügbar sind,
- welche Benutzerkonten vorhanden sind,
- ob starke Passwörter verwendet werden,
- welche Netzwerke Zugriff auf den BMC besitzen.
Zusätzlich empfiehlt sich eine regelmäßige Überprüfung der Firewall-Regeln sowie der Management-Netzwerke.
Schutzmaßnahmen
Zur Absicherung der Systeme werden folgende Maßnahmen empfohlen:
- aktuelle BMC-Firmware installieren,
- IPMI ausschließlich über interne Management-Netzwerke erreichbar machen,
- öffentliche Erreichbarkeit vermeiden,
- starke individuelle Kennwörter verwenden,
- ungenutzte Benutzerkonten entfernen,
- Standardpasswörter ersetzen,
- Managementzugriffe auf vertrauenswürdige Administratoren beschränken,
- soweit möglich VPN oder Jump Hosts für den Fernzugriff einsetzen.
Firmware-Updates
Mehrere Serverhersteller stellen aktualisierte Firmware-Versionen bereit, welche bekannte Schwachstellen beheben oder zusätzliche Schutzmechanismen implementieren. Vor einem Update sollten die jeweiligen Release Notes geprüft und die Aktualisierung entsprechend der Herstellerempfehlungen durchgeführt werden.
Updates für Produkte von Thomas-Krenn
Updates zum jeweiligen System finden Sie im Downloadbereich von Thomas-Krenn. Die Versionen im Downloadbereich wurden von uns getestet, um die Stabilität und Kompatibilität unserer Systeme zu gewährleisten.
Falls Sie die aktuellste Version für ihr System benötigen und diese noch nicht bei uns im Downloadbereich zu finden ist, können Sie diese im Downloadbereich bei den jeweiligen Herstellern beziehen.
Fazit
Die erneute Aufmerksamkeit für diese seit vielen Jahren bekannte Schwachstelle zeigt, dass Managementschnittstellen weiterhin ein häufig unterschätztes Angriffsziel darstellen. Unabhängig vom Alter der Schwachstelle sollten öffentlich erreichbare BMC- oder IPMI-Schnittstellen regelmäßig überprüft, mit aktueller Firmware betrieben und ausschließlich über abgesicherte Management-Netzwerke erreichbar sein.
Quellen
- Thomas-Krenn Wiki: IPMI Sicherheitsupdates
- Server-Fernwartung – 24.650 Server für 20 Jahre alte Lücke anfällig (heise.de, Juli 2026)
- Passwort-Hashes auslesbar – 20 Jahre alte BMC-Lücke gefährdet über 24.000 Server (golem.de, Juli 2026)
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Autor: Thomas-Krenn.AG Bei der Thomas-Krenn.AG achten wir auf den bestmöglichen Service. Um dem gerecht zu werden, haben wir unser Thomas-Krenn Wiki ins Leben gerufen. Hier teilen wir unser Wissen mit Ihnen und informieren Sie über Grundlagen und Aktuelles aus der IT-Welt. Ihnen gefällt unsere Wissenskultur und Sie wollen Teil des Teams werden? Besuchen Sie unsere Stellenangebote. |
