Standortfaktor mit Potenzial: Nachhaltige Rechenzentren
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Viel spricht dafür, dass Deutschland sich in Europa weiterhin als starker Rechenzentrums-Standort positioniert. Die jüngsten, durch die neue US-Politik verstärkten Debatten um mehr digitale Souveränität sind hierfür nur ein Grund: Auch auf Seiten langfristiger Fakten gibt es Argumente dafür, dass Deutschland von den Data Centern profitiert – und umgekehrt. Das gilt insbesondere für nachhaltige Data Center, wie ein Beitrag der Deutschen Energie-Agentur (dena) untermauert.
Auf den ersten Blick mag es angesichts hiesiger Stromkosten und zugehörigem Verbrauch wie eine gewagte Aussage erscheinen: Deutschland als Data-Center-Land? Nun, der durchschnittliche europäische Industriestrompreis betrug im Jahr 2024 knapp 19 Cent/kWh, bei einem Jahresverbrauch zwischen 20 und 500 MWh – inklusive Netzentgelte, ohne Mehrwertsteuer oder sonstige Gebühren. Der Strompreis in Deutschland war demnach mit 23,3 Cent/kWh der dritthöchste in der EU, hinter Irland (ca. 26 Cent) und Zypern (ca. 25 Cent). Diese Bestandsaufnahme mag daher zunächst gegen die Standort-These sprechen.
Nutzung von Abwärme aus Rechenzentren
Andererseits: Die Energiepreise sind in Deutschland zuletzt um etwa elf Prozent gefallen. Nationen mit vermeintlich günstigem Atomstrom wie Frankreich verzeichneten eine Steigerung um 20 Prozent. Und die Zukunft lässt sich grundsätzlich so gestalten, dass der deutsche Preisnachteil noch weiter sinken kann. Hierbei ist natürlich auch die Politik gefragt, sowohl Bund als auch Länder und Kommunen. Von guter Gesetzgebung bis hin zu einer überzeugenden Kommunikation gibt es hier viele Stellschrauben. Selbstverständlich wiegt dieser Nachteil auch umso geringer, je effizienter ein Rechenzentrum arbeitet.
An dieser Stelle überzeugt eine Initiative wie das Joint Venture YORIZON daher besonders: Die geplanten bzw. im Bau und Probebetrieb befindlichen YEXIO-Rechenzentren wurden von Anfang an auf einen bestmöglichen Einklang aus Ökologie, Ökonomie und Leistungsfähigkeit getrimmt – einschließlich der dediziert für die Data Center konzipierten und darauf abgestimmten Computing-Hardware; hierbei spielt die innovative Heißwasser-Kühlung der energieeffizienten Server von Thomas-Krenn eine wichtige Rolle. Sogar eine Abwärmenutzung der Edge-Rechenzentren ist auf diese Weise möglich, samt Vermarktung. Und natürlich folgen auch Architektur und Bauweise dem Gedanken der Ressourcenschonung.

Rechenzentrums-Standort Deutschland: IT-Infrastruktur nachhaltig betreiben
Was also spricht für möglichst klimafreundliche Data Center hierzulande? Nun, mit der richtigen Technologie verringert sich der Nachteil bei den Energiekosten wie dargestellt massiv – und es kommen etliche weitere Faktoren für den Rechenzentrums-Standort Deutschland hinzu. An dieser Stelle setzt auch der dena-Beitrag an und verweist auf folgende Aspekte:
- Eine zentrale Lage – gut für kurze Latenzzeiten
- Die Stabilität des Stromnetzes – entscheidend für Zuverlässigkeit samt ökonomisch vernünftiger Failover- sowie Backup-Konzepte
- Politische Stabilität – gerade mit Blick auf die jüngsten inner- und außereuropäischen politischen Herausforderungen
- Datensicherheit – oft gescholten, doch letztlich an der richtigen Stelle ein entscheidendes Plus
- Energiewende – mit der Erneuerung der Energienetze als Chance, Data Center sinnvoll dezentral zu integrieren
Die Nachfrage nach entsprechenden Services ist auf jeden Fall da; auch das belegen die dena-Zahlen, und zwar auf recht eindrucksvolle Weise. Weitere Daten, die in diesem Gastbeitrag von YORIZON-Geschäftsführer Gernot Hofstetter nachzulesen sind, bestätigten: Deutschland ist bereits Data-Center-Land – und hat zugleich noch enormes Potenzial. Die Vorteile liegen auf der Hand: mehr Resilienz und digitale Souveränität, Know-how-Aufbau/Erhalt, eine Basis für KI-Technologien.
Bessere Rahmenbedingen für energieeffiziente Data Center in Deutschland
Das unterstreicht auch die Aussage von Corinna Enders, Vorsitzende der Geschäftsführung der dena: „Deutschland braucht eine klare Strategie für den Ausbau digitaler Infrastruktur, um die Entwicklung des Energiesystems mit Sicherheitsfragen und Wirtschaftswachstum zu verbinden. Die kommende Regierung kann hierfür bessere Rahmenbedingungen schaffen, wie unser Gutachten zeigt. Europäische Datensouveränität, höhere Resilienz der Wirtschaft und Synergien von Digitalwirtschaft mit Energie- und Klimapolitik sind möglich und sollten jetzt in den Fokus rücken.“


